Verkäufer als Samariter

Mein aktueller Artikel zum Thema Vertrieb im Juli

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Jeden Tag eine gute Tat? Wer gibt, dem wird gegeben werden.

Der harte Verkäufer

Verkäufer müssen cool sein, hart im Nehmen und hart im Geben, dann haben sie Erfolg. So ist die gängige Meinung. In Vorträgen und Trainings hört man immer wieder die Erfolgsstorys von Verkäufern, die es mit einer großen Portion Rücksichtslosigkeit oder Frechheit weit gebracht haben. Sie werden dabei, so glaubt man, vom Wettbewerb gefürchtet und von ihren Kunden geliebt. Aber, lieben wir rücksichtlose Geschäftspartner? Oder sind diese Verkäufer eher Wölfe im Schafspelz, die beim Kunden die sprichwörtliche Kreide gefressen haben und sonst in ihrem Umfeld knallhart sind?

Verkäufer versus Sozialpädagoge

Gute Verkäufer und Sozialpädagogen haben mehr miteinander gemein als sie glauben; auch wenn sie es sehr wahrscheinlich nicht zugeben würden. Sie müssen sich auf andere Menschen einstellen, sie müssen Menschen helfen und sie müssen sich auf Beziehungen einlassen können. Erst, wenn eine Beziehung und Vertrauen entstanden ist, geht es weiter. Beim Sozialpädagogen kann dann Hilfestellung in einer sozialen Situation gegeben werden, beim Verkäufer kommt ein Geschäft zustande. Beides entwickelt sich nur weiter, wenn der jeweilige „Kunde“ mit dem Ergebnis zufrieden ist. Beide profitieren von ihrer Tätigkeit durch den Lohn, den sie in Form von Gehalt oder Provision bekommen.

Umsonst ist nicht umsonst

Jemandem zu helfen, führt nicht automatisch zum Erfolg. Jemand zu helfen, ohne eine Gegenleistung zu fordern, ist aber häufig die einzige Möglichkeit, Erfolg zu entwickeln. Erfolgreiche Verkäufer und Sozialpädagogen geben oft eine persönliche Leistung an eine Zielgruppe, bei der sie die Chance zu einer Gegenleistung vermuten. So investiert ein Sozialpädagoge Zeit in die Betreuung eines schwierigen Kindes, weil er hofft, dass sich das Kind dadurch entwickelt. En Verkäufer investiert Zeit und Arbeit in die Betreuung eines potentiellen Kunden, weil er hofft, dass sich dadurch eine Geschäftsbeziehung entwickelt. Haben beide Erfolg, waren natürlich viele andere daran beteiligt; klappt es nicht, stehen sie wie immer allein da.

Wege aus der Sackgasse

Die Schwierigkeit liegt in der Auswahl der Zielgruppe, bei der die größte Wahrscheinlichkeit für Erfolg liegt. Ein Hausverkäufer wird sich bei gering Verdienern schwertun, ein Sozialpädagoge bei radikal geprägten Gesellschaftsschichten. Hier liegt aber ein deutlicher Unterschied zwischen diesen beiden Berufsgruppen. Der Verkäufer wird immer an seinem Verkaufserfolg gemessen, der Sozialpädagoge an dem Erfolg, und mag er noch so klein sein, in einer bestimmten Zielgruppe. Das Management eines Unternehmens oder einer Organisation hat die Aufgabe, unentgeltliche Vorleistungen zu fördern, aber auch zu kontrollieren, denn das ist einer der Wege, durch den neue Zielgruppen entstehen. Hier muss aber auch ein Belohnungssystem bestehen, wenn eine Aktion keinen Erfolg gebracht hat. Die scheinbar erfolglose Aktion kann aufzeigen, wo man in einen bestimmten Markt vorerst nicht weiter investiert, und auch das ist ein Erfolg.

Jeden Tag eine gute Tat

Beide Berufsgruppen geben auch unentgeltliche Leistung in Zielgruppen, bei denen sie keinen direkten persönlichen Erfolg erwarten. Dies geschieht vor allem bei Vereinen, Organisationen oder Einzelpersonen, die Unterstützung benötigen. Auch dies geschieht oft aus einem tiefen persönlichen Antrieb, hat aber heute mehr denn je auch einen marktwirtschaftlichen Sinn. Bei Einzelpersonen spricht man von der sozialen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, bei Unternehmen von der sozialen Verantwortung von Unternehmen, was heute oft als CSR – corporate social responsibility bezeichnet wird. Hier entsteht bei Unternehmen zwischenzeitlich eine wirtschaftliche Notwendigkeit für soziales Verhalten, weil im Rahmen des Fachkräftemangels ein Unternehmen mit einer bemerkbaren sozialen Verantwortung für neue Mitarbeiter besser präsent ist. Unternehmen beginnen, die soziale Verantwortung ihrer Mitarbeiter zu fördern.

Es hat aber auch alles zwei Seiten: so wichtig unsere Verantwortung als Unternehmen, Verkäufer und Sozialpädagoge gegenüber der Gesellschaft ist, so wichtig ist auch das Maß aller Dinge. Wenn zu viel Arbeit in Projekte gesteckt wird, die keinen wirtschaftlichen Nutzen bringen, kommt man schnell ins straucheln, weil das eigene Überleben nicht mehr gewährleistet ist. Es mach schon Sinn, in Projekte ohne Gegenleistung zu investieren, und wenn das im richtigen Verhältnis geschieht, bleibt das auch ein Standbein der Ausübung eines Berufsbildes bzw. einer Berufung.

Was für ein Lehrgang

Sales Manager Frühjahr 2017

Der Dritte Sales Manager Lehrgang bei der IHK Rhein-Neckar in Folge und wieder ein tolles Team von Teilnehmern.

Aus dem Bereich Versicherung und Bausparen, dem Großhandel für Flaschen und Bürobedarf, komplexe technische Geräte oder Dienstleistungen im Bereich Notstrom, Scannertechnik, E-Bike Umrüstung und Lüftung, sowie Callcenter und Bildung war wieder eine bunte Palette an Teilnehmern vertreten.

Ich glaube mittlerweile fast, dass es gerade diese Buntheit ist, die diesen tollen Teamgedanken hervorruft. Darüber hinaus, dass hier der reine klassische Außendienst nicht vertreten ist, sondern die Teilnehmer komplexere Anregungen suchen und bekommen, die über den reinen Verkauf hinausgehen. Es ist heute im anspruchsvollen Verkauf mehr als nur gute Kommunikation gefragt.

Interessant ist auch, dass die Teilnehmer in den Übungen und in der mündlichen Prüfung reale Situationen darstellen wollen, die sie anschließend direkt umsetzen können.

Dieses Mal ist auch etwas passiert, was auf solchen Lehrgängen nur sehr selten vorkommt: Ein Teilnehmer war in einer wichtigen Verhandlung steckengeblieben, bei der die Gefahr bestand, das der angebotene Preis zu einem Verlust führen könnte oder ein Leuchtturmprojekt ganz verloren geht. Aufgrund einer Anregung aus dem Lehrgang konnte der Teilnehmer beim nächsten Treffen berichten, dass die Strategie zum Erfolg geführt hat. Immerhin ein Projekt mit einem Umfang von 26 Millionen Euro Umsatz, für das ein Vertrag abgeschlossen werden konnte.

Es macht Spaß, solche Lehrgänge durchzuführen. Der Sales Manager Lehrgang geht über insgesamt 8 Tags inkl. einer schriftlichen Prüfung. Dazu kommt noch die Präsentation eines Verkaufsgespräches.

Der nächste Lehrgang in Mannheim beginnt im Herbst, Information dazu unter dem folgenden Link https://www.rhein-neckar.ihk24.de/System/Veranstaltungen/Sales-Manager/1348130

Der nächste Lehrgang in Süddeutschland in Weingarten beginnt schon am 1. Juni https://www.unikam.de/eventmanager/weingarten.ihk.de/index/veranstaltung/vid/8824/tid/Z8932016/kategorieID/3

Welche Technik ist die Eure

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Es gibt eine Vielzahl von Kreativitätstechniken. Nachstehend ein Beispiel, dass ich gern einsetzte, weil es die Teilnehmer immer wieder verblüfft:

180 Grad Technik (Allein oder natürlich noch besser in der Gruppe)

Stelle deine Argumentation auf den Kopf!

Frage nicht: „Was muss ich tun, um mein Ziel zu erreichen“

Sondern: „Was kann ich tun, um zu verhindern, dass ich mein Ziel erreiche“

Schreibe auf, was dir dazu einfällt und überlege im Nachhinein, was du von den aufgeschriebenen Punkten manchmal, natürlich nicht absichtlich, machst. Wenn du daran arbeitest, wirst du sofort besser.

Nicht was kann ich tun, um mehr Kunden zu gewinnen, sondern was kann ich tun, um mehr Kunden zu verlieren.

Nicht was kann ich tun, um weniger Reklamationen zu bekommen, sondern was kann ich tun, um mehr Reklamationen zu bekommen.

Nicht, was kann ich tun, damit meine Mitarbeiter zufriedener sind, sondern was kann ich tun, damit meine Mitarbeiter unzufriedener sind.

Das Nein scheint uns auf der Zunge zu liegen, bei der Negation einer Fragestellung fällt uns sofort etwas ein.

Mit welcher Technik haben Sie gute Erfahrungen gemacht?

Ein Vertriebskonzept in 8 Teilen -Teil 8 – Wie gehe ich mit kritischen Situationen um

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Wenn das, was ich im Teil 7 geschrieben habe, funktioniert, ist alles einfach. Bei einem guten Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Lieferant gibt es keine kritischen Situationen. Es können zwar Schwierigkeiten auftreten, aber erstens sind sie seltener, weil die Verständigung besser ist und zweitens werden sie gelöst, bevor sie kritisch werden.

Bei allen anderen Situationen heißt es

  1. Ernst nehmen und schnell reagieren. Es hilft nicht, wenn wir uns intensiv um eine Lösung für den Kunden bemühen, er aber über unsere Schritte nicht informiert ist. Dabei hilft es, manchmal sofort oder manchmal in den nächsten 10 Minuten den Kunden darüber in Kenntnis zu setzen, was wir unternehmen werden, warum es wenn überhaupt wie lange dauert und wie wir ihn über den Fortgang auf dem Laufenden halten werden. Er muss sich die Frage nicht mehr stellen, ob wir intensiv an einer Lösung für ihn arbeiten, er weiß es jetzt.
  1. Wiedergutmachung oder Abhilfe festlegen. Kritische Situationen entstehen nicht unter taktischen Gesichtspunkten, das bezeichnet man eher als Verhandlungstechnik. Kritische Situationen entstehen aus einer Problemstellung, die zumeist zu Verlusten auf Kundenseite führt, führen wird oder geführt hat. Wir müssen soweit als möglich diese Verluste ausgleichen, wenn wir eine funktionierende Kundenbeziehung aufbauen oder fortführen wollen. Außerdem ist es gut, wenn wir ein Konzept vorstellen, wie solche kritischen Situationen zukünftig vermieden werden.
  1. Häufig ist es so, dass kritische Situationen, die wir gut gelöst haben unser Unternehmen, unsere Produkte, unsere Organisation besser machen. Wir haben also letztendlich von der Situation profitiert. Wie es vielleicht im Unternehmen Anreize für Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter gibt, können wir unsere Kunden ebenfalls belohnen. Diese Belohnung wirkt umso mehr, weil unser „Geben“ freiwillig und im Nachhinein ist. Es wird aber definitiv für Begeisterung bei Kunden sorgen, weil er diese Reaktion nicht erwartet hat. Begeisterung führt zu Empfehlungen und so haben wir eine kritische Situation in eine Empfehlung für unser Unternehmen umgewandelt.

Für alle drei Schritte braucht man Entscheidungskompetenzen; die teilweise delegiert werden können. Generell nützt aber eine Entscheidungskompetenz nichts, wenn der Entscheider nicht erreichbar ist. Disziplin, die für Mitarbeiter gefordert wird, muss auch für Manager gelten.