Kommunikation mit meinem Trockner

davWir haben einen neuen Wäschetrockner, er ist WLAN fähig. Die ersten Wochen haben wir ihn ganz normal genutzt, mit Aus- und einschalten durch ziehen des Netzsteckers (Angeblich verbraucht er weiter Strom, wenn man das nicht macht).

Jetzt habe ich endlich einen Nachmittag gehabt, wo ich ganz allein zu Hause bin und nichts zu tun habe. Also die App installiert und eine WLAN Verbindung nach Gebrauchsanleitung erstellt, das dauert etwa 1 ½ Stunden. Immer wieder die gleichen Prozesse durchspielen, lt. Anleitung ist das die beste Möglichkeit und dann: Ich bin drin!

Da ich gerade nicht trockne, ist das ziemlich langweilig, es passiert ja nichts. Aber ich finde eine Funktion: „Trockner endgültig ausschalten“, die ich nutze. Vielleicht kann ich mir damit das ziehen des Netzsteckers sparen. Der Hinweis in der App sagt, dass der Trockner jetzt nur am Gerät wieder eingeschaltet werden kann. Ich suche die Taste zum Einschalten.

Nun gehöre ich zu den Menschen, die in solchen Fällen nach einer Taste suchen, die mit „Ein“ oder „on“ beschriftet ist. Eine solche Taste gibt es aber an diesem Gerät nicht. Ich brauche eine ganze Zeit und einige Seiten der Gebrauchsanleitung, bis ich herausgefunden habe, dass der runde Knopf in der Mitte der Ein- und Ausschaltknopf ist. Man könnte den senkrechten Strich in der Mitte des Knopfes eventuell als Hinweis interpretieren aber wenn man weiß, dass es der runde Knopf ist, braucht man ja auch den Hinweis nicht mehr.

Ich schalte ein und versuche erneut, mich einzuloggen. Es kommt der Hinweis, dass ich nicht verbunden bin und den Anmeldeprozess erneut starten soll. Ich glaube, so wichtig ist eine WLAN Verbindung zu meinem Trockner nun auch wieder nicht.

Vielleicht sind manche Dinge im Kundenservice so selbstverständlich, das man sie einfach vergisst.

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Positive Bewertungen gratis bekommen

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Letztens flattert mir doch eine E-Mail Werbung ins Haus, in der mir positive Bewertungen für viele Portale, unter anderem Google, angeboten werden. Angeboten wird ein Versuch mit einer kostenlosen 5 Sterne Bewertung bei Google.

So etwas zu glauben, für sinnvoll zu halten oder zu nutzen, mag jeder halten wie er will. Mich interessiert eher die generelle Wirkung dieser Mail auf mich. Wirkt sie vertrauensvoll oder nicht? Werde ich reagieren oder nicht? Analysieren werde ich auf jeden Fall:

  • Der Absender ist eine T-Online Adresse, die Signierung ist ein anderer Name als der Absender. So etwas wirkt nicht wie eine Geschäftsadresse.
  • Die Adresse hat keinen Homepage- oder E-Mail Hinweis bzw. Link, wohl aber sonst komplette Adressdaten aus Frankfurt. Das ist ungewöhnlich.
  • Über den Namen „Bewertungs-Fabrik“ finde ich die Homepage, wo mir viele andere Portale angeboten werden und ein Hinweis, warum diese Art der Bewertung so legal ist und nicht gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Dazu Hinweise zu Kosten und woher die Bewerter kommen. Da finde ich zumindest viele Informationen.
  • Qualifizierte Produkttester machen das lt. Website freiwillig. Es taucht die Frage auf, ob dann immer positive Bewertungen garantiert sind.
  • Im Impressum sehe ich, dass die Frankfurter Adresse eine Niederlassung ist, die Hauptadresse mit Steuernummer sitzt auf Zypern. Bei solchen Adressen bin ich immer skeptisch.
  • Bei der Adresssuche über Google Map finde ich die Strasse, aber keinen Eintrag dieser Firma. Sie erinnern sich, mir wurde eine Google Bewertung angeboten. Das wirkt nicht besonders professionell.
  • Die Adresse gibt es auch auf Facebook, immerhin folgen ca. 2.000 Profile dieser Seite. Die letzte Eintragung ist allerdings von September 2017. Das wirkt vernachlässigt.

Um Vertrauen zu einem potentiellen Kunden aufzubauen, könnte man hier einiges besser machen.

Um darüber hinaus positive Bewertungen gratis zu bekommen, gibt es auch noch eine andere Methode; gute Arbeit.

Noch eine ganz andere Anmerkung bei dieser Gelegenheit: Ob man heute, irgendwann oder in der Zukunft noch weiß, was „flattert ins Haus“ bedeutet?

Nichts geht mehr

building-2665812 Projekt mittelSchlechte Geschäfte sind oft hausgemacht, aufgeben ist der erste und gleichzeitig letzte Schritt zum Misserfolg. Ungeplantes Vorgehen führt dabei selten zum Ziel.

Projekte scheitern nicht an der Idee

Eine Redewendung sagt: die meisten Projekte scheitern nicht an der Idee, sondern daran, dass man zu früh aufgegeben hat. Ein deutscher Kaiser soll einmal gesagt haben: „Ich halte das Auto für eine vorübergehende Erscheinung, ich setzte auf das Pferd“. Die Äußerung, ich habe doch schon alles versucht, ist der Anfang vom Ende. Sich für etwas anzustrengen, was nach der eigenen Überzeugung nicht möglich wäre, ist gegen sich selbst zu arbeiten. Viele Projekte in Unternehmen können ein Lied davon singen. Viel besser wären Gedankengänge wie „Es geht im Moment nicht“ oder „Ich weiß noch nicht, ob oder wie oder wann es geht“. Das sind Aussagen, die unser Gehirn offenhalten und nach weiteren Möglichkeiten suchen lassen.

Systematisches Arbeiten

Projektarbeit von bestehenden Unternehmen und von Gründern unterscheidet sich in den meisten Fällen. Bestehende Unternehmen arbeiten oft nach dem PDCA Zyklus: planen, durchführen, kontrollieren und agieren. Gründer entwickeln dagegen oft vollkommen Neues, das lässt sich nicht so gut planen. Dementsprechend heißt der Zyklus bei Gründern eher BML: entwickeln, messen und lernen. Beide Zyklen funktionieren, wenn sie systematisch durchgeführt werden.

Plan – do – control – act

Beim PDCA Zyklus kommt zur Projektidee oder Projektnotwendigkeit zuerst der Plan. Projekte sind oft mit hohen Risiken verbunden, die kalkuliert werden müssen. Der Plan analysiert, trägt Zahlen zusammen, schätzt Risiken ein, setzt Mile Stones und bildet den organisatorischen Rahmen für das Projekt. Die für das Projekt ausgewählten Mitarbeiter führen den Plan aus und treiben die Idee voran. Die richtigen Teams sind hierbei wichtige Voraussetzungen für die Durchführung, der Teamleiter hält dem Team den Rücken frei und sorgt für die richtigen Kompetenzen im Team. An den Mile Stones wird kontrolliert, wie weit das Projekt ist, wie sinnvoll und was unternommen werden muss, um das Projekt weiter voran zu treiben. Agieren schließlich als viertes Element des PDCA Zyklus sorgt für die notwendige Veränderung im Projekt, um auf neue Gegebenheiten reagieren zu können. Oft schließt sich dann ein weiterer Zyklus an. Der Erfolg eines Projektes kann man so permanent verfolgen, was ein Vor- aber auch ein Nachteil sein kann.

build – measure – learn

Gründer gehen von anderen Voraussetzungen aus. Hier ist es oft eine Idee einer Einzelperson oder eines kleinen Teams, was zu einem neuen Unternehmen führt. In der frühen Phase der Gründung ist das Risiko gering. Da meist keine Erfahrungen zu Märkten existieren, ist der Bereich der Planung oft aus der Luft gegriffen. Ein Graus für jeden Banker und wer schon einmal einen Businessplan zusammengelogen hat, weiß, um was es hier geht. Build bedeutet hier einfach das Ausprobieren der Idee mit in der ersten Phase kleinem Kapital, wenig Risiko und viel persönlichem Engagement. Teams sind oft willkürlich zusammengewürfelt, Teamentscheidungen werden in demokratischen Prozessen getroffen. Wenig erfolgreiche Gründer vergessen oft die Kontrolle, gemessen wird of nicht, so wichtig es ist. Das Produkt oder die Idee entwickelt sich eher zufällig durch Kundenanforderungen weiter, wodurch der learn Effekt entsteht. Irgendwann kann dieser Zyklus in einen PDCA Zyklus übergehen.

Den Erfolg einer Gründungsidee sieht man erst dann wirklich, wenn der Umsatz in wirtschaftliche Bereiche expandiert. Das kann manchmal Jahre dauern, da ist Ausdauer gefragt Da, wo es nicht funktioniert hat, wird man es oft nicht erfahren.

Entwicklung der Projektarbeit

So gut der PDCA Zyklus ist, so steif ist er leider auch. Organisatorische Kettenpanzer bedeuten immer einen Verlust an Kreativität. Unternehmen versuchen dies auszugleichen, indem sie ungewohnte Teams bilden, neue Anregungen über externe Mitarbeiter mit ungewöhnlichen Lebensprofilen ins Boot holen oder dem Projektteam wenig Vorgaben in Bezug auf Zeit, Ressourcen und Thema machen. Andere Unternehmen bilden kleine neue rechtlich unabhängige Unternehmenseinheiten, um die Möglichkeiten der Gründer so weit als möglich nachzuahmen.

Erfolg ist bei neuen Ideen oft trotz großem Einsatz oft nicht vergönnt, wir sehen immer die Gewinner, selten die Verlierer. Ein Misserfolg kann aber auch eine wertvolle Erfahrung sein, wie sagt Reinhold Messner so schön: “Wer nichts versucht, kann noch nicht mal scheitern“.

Tolle Ideen

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Gründer 2017, gestern in Darmstadt, das waren tolle Ideen

Gastromatic aus Darmstadt, entstanden durch einen der Gründer, der die Schwierigkeiten der Personalplanung in Restaurants am eigenen Leib erfahren hat. Daraus ist eine Software entstanden, die im Kern die Personalplanung im Restaurant vereinfacht und darüber hinaus entweder Schnittstellen oder zusätzliche Tools für den Gastwirt zur Verfügung stellt.

Das große Gasthaussterben auf dem Lande ist vorbei: Die Leidenschaft für Gasthäuser hat Howa aus Gersfeld dazu geführt, mittlerweile 7 Wirtshäuser zu übernehmen, neu auszurichten und neu am Markt zu etablieren. Das Geschäft ist erfolgreich, denn jetzt wird das Angebot professionell aufgebaut (ein Problem vieler kleiner Betriebe, nicht nur Gasthäuser).

Celebratestreetfood.de, frisches Essen an der Pommesbude. Natürlich keine Pommes, aber aus einem Verkaufswagen hat sich mittlerweile eine Flotte von 7 Wagen entwickelt, die bis zu 2.000 Personen mit frisch hergestelltem Fastfood verköstigen kann.

Tracktics macht den Amateursport professionell. Ein bezahlbares Tracking System, mit dem Sportler für wenig Geld ihre sportliche Leistung messen können. Was bisher nur die ersten Liegen konnten, kann jetzt jeder.

Sterbenleben aus Darmstadt von Sabine Eller, ein Bestattungsinstitut, von einer Krankenpflegerin gegründet. Für die Betreuung vor, beim und nach dem Tod für den Sterbenden und für die Angehörigen auch darüber hinaus.

Wurst kann auch Spaß machen. Fleischeslust aus Bensheim macht Fleisch und Wurst wieder erlebbar, mit einer Metzgerei, einem Restaurant und mit Kursen. Achtung, Kochen für Kerle ist schon bis 2018 ausgebucht.

Optocomm aus Gründau beschäftigt sich mit Schienentechnik und hat ein Konzept für Kunden wie die Deutsche Bahn entwickelt, was Wartung vereinfacht und verbilligt und gleichzeitig für weniger Störungen im Zugverkehr sorgt.

Wingcopter aus Darmstadt ist ein Drohnen Konzept, dass Drohnen bis zu 100 km weit fliegen lässt und gleichzeitig ein Gewicht von bis zu 6 kg transportieren kann. Die Flügel können vertikal und horizontal gestellt werden, eigentlich ist es mehr ein Flugzeug.

Last but not least Nähkraft aus Marburg, bei dem ein ehemaliger Mitarbeiter den Betrieb, der in unruhiges Fahrwasser gekommen war, übernommen hat. Der Betrieb ist jetzt wieder gut ausgelastet. Ein gutes Beispiel dafür, dass oft Qualität und Kreativität bei der Arbeit nicht ausreichend sind, wenn es an der Organisation fehlt.

Es gab auch in den einzelnen Rubriken Preisträger, aber die Wahl war schwer, deshalb verzichte ich hier auf die Nennung der Gewinner. Sie waren alle gut.

So läuft das bei IKEA

Vortrag von IKEA auf einer Einzelhandelsveranstaltung in Frankfurt im September,

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Zur Erinnerung die Geschäftsidee von IKEA: Wir bieten ein breites Sortiment formschöner und funktionsgerechter Einrichtungsgegenstände zu Preisen an, die so günstig sind, dass möglichst viele Menschen sie sich leisten können (Das erinnert an Aldi, nicht weniger erfolgreich).

Highlights:

Zahlen:

340 Einrichtungshäuser und 41 Einkaufszentren weltweit, davon 235 bzw. 24 in Europa

800 Millionen Besucher in den Einrichtungshäusern, 425 Millionen in den Einkaufszentren.

2,1 Mrd. Besucher auf IKEA.com.

IKEA Deutschland Zahlen 2016

Umsatz 4,8 Mrd. + 7%

Food 221 Millionen + 8% (das ist ein Haufen Kötbullars)

e-Commerce 233 Millionen + 22%

Mitarbeiter 18.000

Besucher 100 Millionen

Kunden 51 Millionen (Jeder 2 Besucher kauft oder sind Sie schon mal, ohne etwas zu kaufen, gegangen?)

IKEA Family Mitglieder 11 Millionen

Besucher IKEA.de 238 Millionen (Was für eine Zahl, jeder 2,4 Besucher der Homepage kommt ins Geschäft).

Strategischer Ansatz der Zukunft – Der Kunde soll über alle Kanäle, jederzeit und von jedem Ort aus bei IKEA einkaufen können dazu erfolgt

  • Die Verzahnung von On- und Offlinehandel
  • Integration von Online Angeboten in das Offline Kauferlebnis
  • Erweiterung und Verbesserung des Online Angebotes

zusätzlich

  • wird das Netzwerk der Einrichtungshäuser weiter vergrößert
  • das Logistik Netzwerk weiter verdichtet
  • Serviceleistungen ausgebaut

Dazu wird mit neuen Formaten experimentiert

Neue Store Formate

IKEA Kompakt im Shopping Center – 1.000 m2 Shop als Anlaufpunkt für Kunden im Umkreis von einer Stunde um ein Einrichtungscenter für Mitnahmeartikel.

Nachhaltigkeits-Store entwickelt in Kooperation mit dem Nabu: Tageslichtabhängige Beleuchtung, Solarthermie, Regen- und Abwasserverwertung, Blockheizkraftwerk, innovatives Abfallkonzept, Kooperation mit lokalen Anbietern und Institutionen.

IKEA City in städtebaulich integrierter Lage in der Fußgängerzone, 80% der Besucher kommen mit ÖPNV.

IKEA Mixed, Shopping Büro und Wohnen, Parkplatz für Anwohner und Mitarbeiter auf dem Dach.

Alternativ Integration von Hotel- und Studentenwohnheim mit öffentlichem Park auf dem Dach

Alternativ Fußballfelder auf dem Dach.

Sie sagen Hirngespinste – nein, das gibt es alles schon oder ist im Bau.

Der IKEA Ansatz dazu

  • Bedarfsanalyse aus Kundensicht
  • Mehrwert für Kunden, Unternehmen und Kommunen
  • Projektbetrachtung im Einzelfall statt Standard
  • Individuelle Projektansätze statt 0-8-15
  • Kreative, standortgerechte Lösungen
  • Integrative Konzepte mit Partnern
  • Projektentwicklung im Dialog
  • Schaffung von Win-Win-Situationen
  • Innovation & Nachhaltigkeit

Das ist aktive Zukunftssicherung eines Unternehmens

199 Euro, 50 Euro, kostenlos?

Marketingmaßnahmen und Marktverhalten, die ich für verbesserungswürdig halte: Teil 11 2017

Personal Online Kongress 2017, ich bin angemeldet.

people-1105590_1920 personal ccoIch habe ein Angebot für nur 199 Euro bekommen, habe aber auch ohne Anfrage über Xing einen kostenlosen Zugang bekommen. Der Link für den kostenpflichtigen Zugang sieht aus wie ein Affiliate Link. Beim Nachschauen finde ich auch einen Zugang für 50 Euro. Was für ein Durcheinander.

Interessiert schaue ich die Infos zum Kongress 2016 an – ah, ich kann alle alten Präsentationen kaufen für 249 Euro. Im Bestellfeld steht sogar: Digitalausgabe zum Sonderpreis von 99 Euro statt 249 Euro zzgl. MwSt. (nur noch heute!) nur noch heute? Ich vermute das steht da seit einem Jahr. Na ja, ich gebe ihm eine Chance und schaue morgen nochmal nach. Was denken Sie, steht da?  https://www.abc-personal-strategie.de/kongress/videos/online-kongress/ Jetzt lese ich auch vom Kongress 2016, das nur noch 60 Ticks vorrätig sind, das wird ja immer lustiger.

Der Kongress 2017 läuft, täglich kommen Infos – das finde ich gut. Dann kommt das:

Sie haben die Woche 1 verpasst? Dafür gibt es eine eine Lösung: Mit dem (Link) Zugang zum VIP-Club von „Deutschlands Online Personal-Kongress“ sichern Sie sich einen lebenslangen Zugang zu allen Vorträgen als Video und auch als Audio. Erst nachdem ich auf den Link klicke kommt der Hinweis, dass das natürlich einmalig günstige 50 Euro kostet. Das grenzt an Bauernfängerei.

So wenig Professionalität hätte bei dieser Kongressorganisation aber nicht vermutet.

Ich bin durch diesen Kongress in einen Newsletter Verteiler gekommen, der interessante Themen aufgreift. Ein schönes Beispiel, wie man eigentlich gute Dinge in ein schlechtes Licht rücken kann.

Innovation, Fluch oder Segen!

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Wo sind die Querdenker?

Im Moment ruft die ganze Welt nach Innovationen. Offensichtlich das Patentrezept, um der vielgenannten Krise zu entrinnen. Und dann schaut man sich um und stellt verwundert fest, dass mittlerweile alle innovativen Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben. Wegrationalisiert; weg gemobbt, im Rahmen von Lean Management Konzepten ausgemerzt, weggelobt, aufs Altenteil geschoben und keiner hat es so richtig gemerkt. Das ruft jetzt ratloses Erstaunen hervor; wo sind sie, die kreativen Köpfe, die uns in der Vergangenheit immer so gestört haben, weil sie uns vom Tagesgeschäft abhielten, wo sind sie? Und langsam dämmert es; da war doch der ein oder andere Kollege, der uns mit immer wieder neuen Ideen von der Arbeit abgehalten hat. Eigentlich war man froh, als dieser Kollege nicht mehr im Betrieb war, denn der ist fast jedem schon ganz schön auf die Nerven gegangen.

Innovative Köpfe

Innovative Köpfe haben es in einem gut laufenden Unternehmen schwer. Die Masse der Mitarbeiter ist auf einem hohen, gut funktionierenden Niveau und kann die Aufgaben, die der Markt stellt, gut erfüllen. Allerdings hat diese Masse Probleme mit Mitarbeitern, die sich positiv oder negativ von diesem Niveau abheben. Wenn jemand sich durch besonders innovative Ansätze abhebt, wird er von seinem Umfeld argwöhnisch betrachtet. Er stört den Betriebsfluss, setzt seine Arbeitskraft für andere Dinge ein und zwingt so seine Kollegen, die von ihm liegen gelassene Arbeit mitzumachen. Wenn hier die Unternehmensleitung nicht regulierend eingreift, ist das Schicksal dieses innovativen Mitarbeiters schnell besiegelt. Das, was hier vom Kollegen als negativ empfunden wird, kann sich aber fürs Unternehmen positiv auswirken.

Innovative Unternehmenskultur

Ein Unternehmen, das den Bereich der Neu- und Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen auf seine Fahnen geschrieben hat, verfügt über eine innovative Unternehmenskultur. Dies heißt natürlich nicht, dass jeder machen kann was er will. Es bedeutet aber, dass Instrumente eingesetzt werden, um neue Ideen gezielt mit den Mitarbeitern zu entwickeln. Dazu setzt man z.B. gezielt Kreativitätstechniken ein, um aus einer Masse von Anregungen mit den Schritten finden, probieren, bewerten, entwickeln und vermarkten neue Produkte zu entwickeln. Um diese Prozesse zu steuern, haben sich mittlerweile auch spezielle Ausbildungsgänge z. B. zum Innovationsmanager herauskristallisiert.

Darüber hinaus geben innovative Unternehmen Mitarbeitern oder bestimmten Abteilungen bewusst Freiräume, um ungezielt nach völlig neuen Ideen abseits der bestehenden Pfade zu suchen. Es gibt dazu die schöne Geschichte eines Kopierer Herstellers, der Wissenschaftlern Möglichkeiten zu freiem Denken zur Verfügung gestellt hat. Heraus kam die grafische Benutzeroberfläche, die wir heute auf jedem Rechner vorfinden. Eine ähnliche Geschichte existiert zur Erstentwicklung von Internetverbindungen.

Der Champion

Championing bedeutet etwas unterstützen, verfechten bzw. verteidigen. Es ist eine eigene Managementtechnik, um eine bestimmte Gruppe von Mitarbeitern zu fördern. Champions haben die besondere Eigenschaft, extrem hartnäckig zu sein. Dabei geht es in den meisten Fällen nicht unbedingt um eine selbst entwickelte Innovation, sondern um ein neues Produkt oder eine neue Idee, die hartnäckig im Unternehmen gegen alle Widerstände über lange Zeiträume nachverfolgt wird. Champions stoßen im Unternehmen auf viele Widerstände, da sie an Ideen festhalten, die der Rest des Betriebes schon längst abgehakt hat. Champions werden vernachlässigt, verhöhnt, ausgelacht oder mit Nichtbeachtung gestraft.
Unternehmensleitungen müssen dieser Gruppe von Mitarbeitern die Chance geben, immer wieder an ihrem Thema zu arbeiten, es kann sehr erfolgreich werden. Bestes Beispiel ist Spencer Silver, der sich über lange Jahre für einen Klebstoff begeistert hat, der nicht gut klebt. Unablässig hat er dabei nach Möglichkeiten gesucht, dieses Produkt einzusetzen, herausgekommen sind die Post It Haftnotizen.

Innovative Chefs

Innovative Chefs entwickeln neue Produkte oder Dienstleistungen und bringen diese an den Markt. Sie sind sehr erfolgreich als Gründer, ihre Unternehmen wachsen schnell und überproportional an Umsatz und Mitarbeitern. Vielleicht liegt ja der Grund, dass wir so viele kleine innovative Unternehmen in Deutschland haben darin, dass die weggemobbten Kollegen von einst sich selbstständig gemacht haben. Aber innovative Menschen können nicht aus ihrer Haut und die Gefahr besteht, dass sie schnell von einer Idee zur nächsten springen. Theo Waigel hat einmal auf einem Querdenker Kongress gesagt: „Ich höre viel über Vor- und Querdenker, manchmal würden aber 5 Minuten Nachdenken schon reichen“. Ab einer gewissen Unternehmensgröße wird die vorgenannte Art von Innovation zu einem kritischen Faktor, da die Mitarbeiter den neuen Ideen des Chefs mehr Gewicht schenken müssen als ihrem Tagesgeschäft.

Wenn der innovative Chef macht, was er will, steigt die Gefahr, dass das Unternehmen sich mit Neuentwicklungen übernimmt. Hier ist die Grenze, wo entweder das Unternehmen verkauft wird, vom Markt verschwindet oder sich konsolidiert. Letzteres entsteht dann, wenn neben den innovativen Kräften gleichberechtigt und akzeptiert konzeptionell ausgerichtete Führungskräfte im Unternehmen vorhanden sind, die die innovativen Explosionen immer wieder in ruhiges Fahrwasser lenken.

Innovation ist und bleibt der Motor für eine Volkswirtschaft. Leider hat in der Vergangenheit das Streben nach schnellem Profit innovative Unternehmenskulturen nicht begünstigt. Heute beginnt sich das Rad, ausgelöst durch die Möglichkeiten des Internets und die darauf beruhenden Innovationen von Start Ups, schneller zu drehen. Hier steht auch noch etwas anderes im Vordergrund: nicht der Profit, sondern das Kundenbedürfnis muss im Focus eines Betriebes stehen. Bedürfnis muss dabei auch automatisch zu Profit führen oder das Unternehmen ist in einer falschen Marktposition.

Das Thema ist, wer hätte das gedacht, nicht neu, dieser Artikel von mir ist in ähnlicher Art schon 2009 unter anderem auf Channelpartner erschienen.
https://www.channelpartner.de/a/innovation-fluch-oder-segen,275383