Der Markt ist leergefegt

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Mitarbeiter gesucht

Der Markt ist leergefegt

Die Konjunktur brummt und der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Der Angebotsmarkt in Bezug auf den Kunden, nämlich, dass das Angebot größer ist als die Nachfrage entwickelt sich auch zu einem Angebotsmarkt in Bezug auf den Mitarbeiter. Zulieferer bemühen sich heute schon, für ihre Kunden Mitarbeiter zu vermitteln, damit sie auch morgen noch Unternehmen haben, die sie beliefern können. Marketing und Vertrieb bekommen neben der Kundengewinnung neue Aufgaben; die Gewinnung von geeigneten Mitarbeitern für das Unternehmen.

Das einzige, was es in beschränktem Umfang gibt, sind Leiharbeiter, aber selbst Leiharbeiter können keine dritte Schicht besetzen ohne fachlich fundierte Schichtführer, Elektriker und Schlosser. Selbst Leiharbeiter können keine Baustelle abwickeln ohne einen Altgesellen oder Meister, der die Baustelle führt. Dazu hat man vergessen auszubilden und ein großer Teil der über 50-jährigen denken heute mehr an Rente als an Arbeit.

Alle schon in Rente?

Spätestens mit 50 fängt ja der Normalbürger an, sich auf seine Rente vorzubereiten, seinen Lebensabend zu planen und das schnöde Dasein der Arbeit hinter sich zu lassen. Wie wenig wertgeschätzt Menschen über 50 für den Arbeitsmarkt sind, zeigt eine Umfrage der Stadt Frankfurt vor einigen Jahren, bei der man Mitbürger ab 50 Jahre zu altengerechtem Wohnen und Leben befragt hat. Da ist das Senioreneinstiegsalter in der Öffentlichkeit schon festgelegt. Und jetzt sollen diese Menschen sich noch länger bis zur Rente quälen?

Aufbau West

Wir hatten mal eine Zeit, da war das anders. Geier Sturzflug hat das mit dem Hit „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt“ ausgedrückt. Das waren die Aufbaujahre bis in die 70er Jahre hinein, wo Menschen sich für ihren Betrieb eingesetzt haben, wo Motivation zur Arbeit da war und Führungskräfte und Mitarbeiter zusammen an einem Strick gezogen haben. Da hat niemand mit 50 über seine Rente nachgedacht. Und da wurde ausgebildet auf Teufel komm raus. Aber dann hat man begonnen, den Mitarbeitern in den Unternehmen die Lust an der Arbeit gründlich auszutreiben.

Schluss mit Lustig

Die Entmenschlichung in Unternehmen mit dem Focus auf kostengünstige Produktionsfaktoren hat Mitarbeitern den Spaß an der Arbeit verdorben. Niemand hat bedacht, dass der Produktionsfaktor Mensch, wenn er motiviert ist, in seinem Leistungsniveau gar nicht zu kalkulieren ist. Die zunehmende Verschlankung der Unternehmen hat den Trend zur Lustlosigkeit weiter vorangetrieben. Die geringeren Ausbildungszahlen liegen zu einem Großteil sicher auch daran, dass die erfahrenen Mitarbeiter über 50 freigesetzt worden sind und somit als Ausbilder nicht mehr zur Verfügung stehen. Heute sind wir so schlank, dass wir die Aufträge nicht mehr schaffen, die uns unsere Kunden schicken. Dazu kommt der immer stärker wirksame demografische Faktor.

Neue Aufgaben für Manager

Unternehmen stehen jetzt vor dem Problem, dass die im Rahmen des Lean Management Wahns „beförderten“ Führungskräfte technische Spezialisten sind, die eigentlich nie für eine Managementaufgabe vorgesehen waren. Diese Führungskräfte müssen jetzt ihr ganzes Fachwissen über Bord schmeißen, denn als Leiter einer Abteilung braucht man ganz andere Qualifikationen. Man muss Mitarbeiter führen und nicht technische Probleme lösen, das hat aber niemand dieser Spezialisten gelernt. Es entsteht die Gefahr, dass Demotivation und Unlust bei den neuen jüngeren Untergebenen um sich greift. Dieser gordische Knoten ist noch nicht zerschlagen, manchmal kann man glauben, selbst das Schwert hierfür ist noch nicht geschmiedet.

Neue Arbeitsplatzmodelle

Es wird gewaltiger Anstrengungen bedürfen, um diese Schieflage wieder auszugleichen. Neue Arbeitsplatz- Arbeitshierarchie- und Arbeitszeitmodelle sind zu entwickeln, um die Erfahrung ab 50 oder 60 zurück in die Unternehmen zu bekommen. Erste Ansätze sieht man vor allem in der Großindustrie, die aufgrund ihrer hohen Mitarbeiterzahlen viel eher als andere zum Handeln gezwungen ist. Das Schulsystem, das heute junge Menschen nicht mehr auf ein Leben nach der Schule vorbereitet, befindet sich zum Teil schon in einem Reformationsprozess. Industrie und Handwerk muss das Ausbildungssoll übererfüllen und durch geeignete Maßnahmen die schulischen Versäumnisse ausgleichen. Sicher bietet auch der momentane Zuzug von sehr vielen jungen Menschen nach Europa eine Chance, die genutzt werden kann.

Qualifikation und Kompetenzentwicklung

Die Kernaufgabe des Vorgesetzten konzentriert sich auf Qualifikation- und Kompetenzentfaltung der Mitarbeiter, nicht mehr und nicht weniger. Er erfüllt die Teams, die er führt, mit Leben, die Entwicklung dieser Teams wird dann auch seine Kompetenz fördern. Solche Teams diskutieren nicht über Dinge wie Arbeitszeit oder Arbeitskraft, Innovation oder Motivation, sie kreieren ihren Markt. Solche Teams sind auch schwer zu führen, denn sie bestehen aus eigenständigen Individuen. Aber die Eigenständigkeit ist das Erfolgskapital. So etwas kann kein Produktionsfaktor kalkulieren.

Führungskräfte, die diesen Trend verpassen oder sich ihm verweigern, werden im Wettbewerb nicht bestehen können, sie werden aussterben oder zusammen mit ihren auf reinen Produktionsfaktoren bedachten Unternehmen untergehen. Unternehmen und Führungskräfte der neuen Generation werden die Mitarbeiter haben oder bekommen, die sie für die Entwicklung ihrer Geschäftsaktivitäten brauchen. Dabei ist Investition in Aus-, Weiterbildung oder Persönlichkeitsentwicklung eine notwendige Selbstverständlichkeit. Es kommen auf jeden Fall spannende Zeiten auf uns zu.

 

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