it gschompfa isch globt gnuag

10:13, 5.3.2014

blog_122

Und einen schönen Tag noch –

aus der heutigen Tageszeitung – gibt es so etwas wie eine deutsche Höflichkeit

it gschompfa isch globt gnuag sagt der Schwabenmund

In Südtirol ist Freundlichkeit von beiden Seiten selbstverständlich und der Kaffee (deshalb?) erheblich günstiger.

Ein Stuttgarter Café bietet je nach Höflichkeit des Bestellers 3 Preise für einen Kaffee an

Ein Kaffee 7 Euro

Ein Kaffee bitte 5 Euro

Hallo, ein Kaffee bitte 2 Euro

Ein interessante Werbeidee, wodurch das Stuttgarter „Kantinchen“ über eine DPA Meldung bundesweit in die Presse gekommen ist, man bezeichnet so etwas als Guerilla Marketing.

Dazu habe ich gerade in Südtirol die Freundlichkeit von Menschen kennengelernt, ein paar davon waren Käufer, ein paar davon Verkäufer und in dem Zusammenhang ein Café, das durchgehend gut besucht war – vielleicht weil die Preise erheblich günstiger waren als bei uns in Deutschland. (Bild eines Kassenbons aus Bozen, wo der Kaffee 1,20 kostet, Freundlichkeit von Käufer und Verkäufer inklusive)

Die Realität der Freundlichkeit fängt aber nicht beim Kunden sondern beim Verkäufer an.

Gabriel García Márquez (*1927) ein kolumbianischer Schriftsteller hat einmal gesagt: „Willst du etwas verkaufen, musst du die Sprache des Kunden lernen, willst du etwas kaufen, versteht dich jedermann“. Der Verkäufer ist immer so gut drauf, wie er von seinem Chef behandelt wird, Freundlichkeit auf Befehl geht nicht. Und ein freundlicher Verkäufer bekommt in 99 von 100 Fällen Freundlichkeit zurück – wenn die Freundlichkeit nicht aufgesetzt ist.

Und der 100ste Fall ist in 99 Fällen jemand, der vielleicht gerade mit privaten oder beruflichen Problemen zu kämpfen hat, dies aber nicht zeigen will. Es bleiben also nicht mehr viele echte Schnösel über, die dann mit Vorliebe einen Kaffee  für 7 Euro bestellen und noch drei Euro Trinkgeld geben (Das können sie danach gut weiterzählen) Diese Klasse Mensch fällt aber umso mehr auf, weil sie uns unangenehm aufstoßen, wenn sie mit geliehenem Geld Lokalrunden schmeißen und glauben, das das Personal springen muss – ja, das war jetzt auch ein bisschen polemisch von mir, ich weiß.

Solche Leute mit falscher übertriebener Freundlichkeit in die Weißglut zu treiben, kann dann aber ein interessanter Sport werden. Ich erinnere mich an einen Freund, der bei einer Fahrzeugkontrolle aus einem diktatorischen Land heraus mit Aussagen wie „Da kann man wirklich einen Menschen verstecken? Mein Gott, was Sie aber auch alles über Autos und Hohlräume wissen“ den Zollbeamten (na, ob das überhaupt ein Zollbeamter war) schon ein wenig irritiert hat.

Hintergrundinfo: Deutschland wurde früher und wird auch heute noch häufig als Servicewüste bezeichnet. Lt. Duden bedeutet dies das „völlige Fehlen akzeptabler Dienstleistungen“ und damit ein Land oder einen Bereich, wo die Aufmerksamkeit gegenüber Kunden schlecht entwickelt ist. Wir erfinden viele neue gute Dinge, aber ein Großteil davon wird von Unternehmen aus anderen Ländern vermarktet. Vielleicht liegt das daran, dass dort der Begriff Service selbstverständlicher genommen wird.

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